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Verbale Dyspraxie –

unser Weg von „Was wenn K3 nie spricht“ zu unendlicher Dankbarkeit für ihre Logopädin (und ein Geschenk für diese)

Vor circa eineinhalb Jahren hat unsere kleine Tochter (damals 2 1/2 Jahre alt) die Diagnose verbale Dyspraxie (VED) erhalten. Eine Diagnose, die uns im ersten Moment ganz schön Angst machte. Würde K3 sprechen lernen? Wenn ja, wann?

Seitdem hat sich unglaublich viel getan. In diesem Blogpost möchte ich euch erklären, was eine verbale Dyspraxie ist und berichten, wie es uns seit der Diagnose erging. Den Blogpost begleiten werden die Bilder eines Rucksacks, den ich für die Logopädin unserer Kleinen zu Weihnachten genäht habe. Ein Geschenk, das nicht mal annähernd die unendlich große Dankbarkeit ausdrücken kann, die ich ihr gegenüber fühle.

Ich freu mich, wenn ihr diesen Blogpost lest. Es ist mit Abstand der wichtigste Blogpost, den ich je geschrieben habe. Vielleicht habt ihr selbst ein Kind, bei dem das Sprechen lernen nicht so mühelos klappt, wie bei – gefühlt – allen andern? Vielleicht kennt ihr ein Kind, dem es so geht (eure Nichte oder euer Neffe, euer Enkelkind, das Nachbarskind, ein Kind im Kindergarten) oder vielleicht ist das Kind wegen dem ihr diesen Post lesen solltet noch gar nicht geboren und ihr lernt es erst in ein paar Jahren kennen. Vielleicht erinnert ihr euch dann an meinen Blogpost zurück und könnt diesem Kind und seinen Eltern helfen.

Vielleicht stolpert ihr auch über diesen Beitrag, weil euer eigenes Kind gerade diese Diagnose erhalten hat und ihr „verbalde Dyspraxie“ gegoogelt habt. Lest auch dann gerne weiter, denn vielleicht kann ich euch etwas der Hoffnung zurückgeben, die ihr mit jedem Beitrag, den ihr zuvor gelesen habt, Stück für Stück verloren hattet.

Rucksack Auf und Davon (ebook von Lotte und Ludwig) als Geschenk für die Logopädin unserer Tochter | Näh-Connection. Stoff: Oilskin in verschiedenen Farben. Verzierungen: Webband, Patches von mehr etikette und halfbird mona.

Vorgeschichte und erster Verdacht

Wir haben drei Kinder. K1 war mit dem Sprechen super früh dran. Mit knapp zwei Jahren konnte sie schon in ganzen Sätzen und super deutlich sprechen. K2 war zwar später dran als seine große Schwester, aber eigentlich genau im Durchschnitt. Wenn man bei den U-Untersuchungen beim Kinderarzt ankreuzen sollte, welche Wörter das Kind kann, konnte er meist ziemlich genau so viele wie er können sollte.

Bei K3 war das irgendwie anders. Zu ihrem zweiten Geburtstag (Dez 2019) konnte sie außer Mama nicht viel sagen. Der Kinderarzt meinte damals, dass das zu dem Zeitpunkt noch kein großes Problem sei und sie wohl einfach ein Late Talker wäre. Sollte sich jedoch im nächsten halben Jahr nichts tun, müssten wir wieder zu ihm kommen. Im Laufe dieses halben Jahres wurde mir immer klarer, dass da mehr dahintersteckt. Das war so ein komisches Bauchgefühl, das sich auch von Sprüchen wie „Das kommt schon noch“, „Nicht jedes Kind ist gleich“, „Ich war selbst ein Late Talker“ oder von Geschichten über den Bruder des Freundes der Schwägerin des Nachbarn, der erst mit 3,5 Jahren mit dem Sprechen anfing, dann aber direkt in ganzen Sätzen, nicht beruhigen ließ. Ja, ich habe die Gedanken immer wieder weggeschoben, aber eigentlich wusste ich genau, dass da mehr ist.

K3 wollte kommunizieren, konnte es aber einfach nicht. Von wegen, manche Kinder seien halt nicht am Sprechen interessiert oder zu faul! Vielleicht sollte einfach jeder mal probieren, irgendetwas ohne Sprache zu bekommen, seine Bedürfnisse mitzuteilen usw. K3 hatte schon ganz früh eine unglaublich ausgeprägte Mimik und Gestik. Was sie nicht sagen konnte, hat sie uns über ihre Körpersprache versucht, mitzuteilen. Wir waren fasziniert. Auch die Omas und Opas meinten immer wieder, dass sie noch nie ein Kind mit so einer intensiven Mimik und Gestik gesehen hätten. Aber gesprochen hat sie eben weiterhin nicht. Sie konnte schon ein paar Worte, aber manche davon gingen auch wieder verloren. Während sie eine Weile z. B. Au-o für Auto sagte, war das dann plötzlich wieder vorbei. Auch auf Vorsprechen von uns, wiederholte sie das Wort nicht. Generell sorgte Vorsprechen, egal wie langsam oder deutlich, nie auch nur für die kleinste Reaktion. Mir war klar, dass ich mit ihr wieder zum Kinderarzt möchte, um das abzuklären.

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Im Juni 2020 traf meine Schwester dann zufällig eine Bekannte beim Einkaufen. Diese Bekannte ist Logopädin und meine Schwester nahm die Gelegenheit wahr und sprach sie auf K3 an. Sie erzählte, dass unsere Kleine auch mit 2,5 Jahren noch nicht sprach und dass sie mit Mimik und Gestik kommuniziert. Auch von den verlorenen Worten und dem erfolglosen Vorsprechen berichtete sie ihr. Mit meinem Wissen von heute, geh ich davon aus, dass bei der Logopädin da wirklich alle Alarmglocken losgingen. Sie meinte direkt zu meiner Schwester, dass das eine verbale Dyspraxie (VED) sein könnte und man unbedingt eine Diagnostik machen müsste.

Meine Schwester hat mir das dann kurz per whatsapp geschrieben, ich habe „verbale Dyspraxie“ gegoogelt und, was ich fand, war absolut niederschmetternd. Ich las von Kindern, die auch im Grundschulalter noch nicht sprechen konnten, von Jahren mit logopädischer Therapie, die überhaupt nichts brachten. Die Aussicht, dass mein Kind, das offensichtlich so gerne kommunizieren möchte, das vielleicht nie können würde, ließ mich nächtelang nicht schlafen.

Schon früher habe ich mich immer wieder gewundert, wie problemlos Kinder sprechen lernen. So etwas Hochkomplexes wie Sprache scheint ihnen einfach zuzufliegen. Völlig mühelos lernen manche etwas früher, andere etwas später zu sprechen. Schlussendlich war ich einfach ahnungslos. Ich wusste einfach nicht, dass sprechen und sprechen lernen für viele unendlich schwer ist. Inzwischen weiß ich, dass nicht nur z. B. Kinder mit Down Syndrom oft lange brauchen, bis sie sprechen können (und dabei oft auch logopädische Unterstützung brauchen). Ich weiß jetzt, dass auch z. B. autistische Menschen teilweise nie sprechen oder aber nach z. B. einem meltdown Phasen haben können, in den sie nonverbal sind.

Und ich habe einiges über verbale Dyspraxie gelernt. Dies ist keine Sprach- sondern eine Sprech(entwicklungs)störung. (Entwicklungs) setze ich hierbei in Klammern, denn das impliziert, dass die Entwicklung „nur“ gestört ist, aber schon irgendwann kommt. Das stimmt aber bei einer Dyspraxie eigentlich nicht. Ohne Hilfe wird das Kind nicht sprechen lernen. Auch nicht einfach nur später oder langsamer! Es gibt zwar unterschiedliche Schweregrade, aber die Hilfe ist auf jeden Fall unerlässlich. Und eine verbale Dyspraxie ist, wie oben bereits gesagt, ein Sprech-, keine Sprachstörung. Die Kinder verstehen Sprache normalerweise altersgemäß und wollen diese auch altersgemäß anwenden. Aber die Worte kommen einfach nicht aus dem Mund. Warum? Weil die Sprechsteuerung im Gehirn nicht funktioniert. Das Gehirn gibt den Muskeln im Mund einfach nicht die richtigen Kommandos, um die unterschiedlichen Laute zu formen. Es gibt übrigens noch andere Dyspraxien: motorisch, d.h. falsche Bewegungsplanung, z. B. vermeintlich tollpatschige Kinder und ideatorisch, d.h. Probleme bei Handlungsplanung.

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Diagnose

Die oben erwähnte Logopädin hat im Juli und August 2020 dann eine Diagnostik durchgeführt. Sie hat nicht nur ein sehr ausführliches Gespräch mit mir geführt, sondern auch geschaut, ob K3 trianguliert (d.h. über Blicke bzw. hin- und herschauen versucht, mir etwas zu zeigen; Dreieck: Kind – Mutter – Gegenstand), ob sie bestimmte Laute nachsprechen kann und wie ihr Sprachverständnis ist. Nach den drei Stunden stand für sie fest, dass K3 eine Dyspraxie hat. Ihr Sprachverständnis war besser als es die Vergleichstabellen überhaupt hergaben, sie wollte kommunizieren, aber es ging einfach nicht. Die ca. 20 Wörter/Laute, die sie nutzte (darunter so „eindeutige“ Sachen wie ü-ü für Zug) waren viel zu wenig. Die intensive Gestik und Mimik und die verlorenen Wörter waren klare Zeichen. Auch ihr scheinbares Desinteresse etwas nachzusprechen war absolut typisch. Dyspraktische Kinder würden die Wörter zwar gern nachsprechen, aber während sie fast schon gelangweilt scheinen, suchen sie erfolglos nach einem passenden Kommando des Gehirns.

Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass die Logopädin sagen würde: „Alles gut. Late Talker. Sonst nichts.“ Heute weiß ich, dass wir unglaubliches Glück hatten, direkt an eine kompetente Logopädin zu kommen, die sich mit verbaler Dyspraxie auskennt. Diese Sprechstörung gehört nämlich, da sie recht selten ist, noch nicht zur normalen Logopädieausbildung! Inzwischen habe ich viel zu oft lesen müssen, dass Eltern jahrelang vertröstet wurden, dass vielleicht sogar jahrelang therapiert wurde und dass sich trotzdem nichts besserte. Dyspraktische Kinder lernen nämlich mit normalen Therapieansätzen (wie für phonologische Störungen, d.h. wenn nur bestimmte Laute falsch ausgesprochen werden) NICHTS. Hier können wirklich Jahre vergehen ohne dass nennenswerte Fortschritte passieren. Dass wir gerade mit dieser Logopädin in Kontakt kamen, die sich ausschließlich mit solch schweren Sprechstörungen wie Dyspraxien und Mutismus beschäftigt, hat uns einen enormen zeitlichen Vorteil verschafft und K3 unglaublich viel Frustration und mögliche Ausgrenzungen erspart!

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Therapie

Die Logopädin hatte zwar selbst leider keinen Therapieplatz frei, aber durch die Diagnose wussten wir was Sache ist. Außerdem hat sie uns eben auch sehr deutlich gesagt, dass K3 spätestens im Herbst mit einer logopädischen Therapie beginnen muss und wir unbedingt zu jemandem müssen, der sich mit Dyspraxie auskennt. Nur wenn nach einem entsprechenden Therapieansatz (z. B. VEDIT, koart, Tolgs, Padovan) gearbeitet wird, kann sich auch ein Erfolg einstellen. Nach einigem Suchen habe ich glücklicherweise eine Praxis gefunden, in der dann ab November ein Therapieplatz frei war. Im September ging sie zum ersten Mal in den Kindergarten. Glücklicherweise kam sie erstmal in eine Kleinkindgruppe, wo auch andere noch nicht super gut sprachen und der Betreuungsschlüssel super war. Ich kann mich noch gut an mein Gespräch mit der Gruppenleitung im Vorfeld erinnern, bei dem ich ihr erklärte, wie K3 sich verständigte. Unter anderem hieß nun trinken zum Beispiel ü-ü. Ja, ü-ü war nun nicht mehr der Zug, sondern trinken. Eben einfach eine Lautfolge, die sie sprechen konnte. Insgesamt verlief der Kindergartenstart glücklicherweise super. Die Erzieherinnen waren sehr engagiert und K3 kam trotz der fehlenden Sprache gut mit den anderen Kindern aus. Auch sprachlich hat der Kindergartenstart sie wenigstens ein bisschen gepusht und es kamen sogar noch ein paar neue Laute dazu.

Mit der neuen Logopädin, die nach VEDIT arbeitet, war K3 dann von der ersten Stunde an ein Herz und eine Seele. Wann immer ich ihr sagte, dass wir zu Amelie fahren, hat sie gestrahlt und ist vor Freude im Zimmer herumgehüpft. Während ich vor dem Therapieraum wartete, konnte ich immer wieder hören, wie die beiden kichern und Spaß haben. Und vom ersten Tag an, waren Fortschritte sichtbar. Die Logopädin hat angefangen, Laut für Laut mit Hilfe von Lautgesten einzuführen. Bei diesen Gesten wird (meist) eine Hand genutzt, um im Gesicht die Stelle zu unterstützen, die für die Lautbildung genutzt wird oder die für den Laut eben besonders geformt wird. Bei K3 hat das super geholfen und so kamen immer mehr neue Laute.

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Im April fuhr ich dann außerdem eine Woche lang jeden Tag mit K3 zu einer Intensivtherapie (Bewegte Therapie in Leutkirch): morgens 1h Logopädie auf dem Pferd, nachmittags 45 Minuten normale Logopädie. Die Bewegung auf und die Nähe zum Pferd, helfen den Kindern enorm. Danach konnte sie nicht nur zum ersten Mal das W in der Spontansprache formen, sondern ihre Aussprache war generell viel deutlicher.

Über das restliche Jahr hinweg hat K3 dann fleißig weiter mit „ihrer“ Amelie geübt, gelernt, gelacht und gespielt. Und dabei sprechen gelernt. Sie spricht jetzt in ganzen Sätzen (mit vielen Wörtern) in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie geht begeistert ans Telefon und meldet sich mit: „Hallo, hier ist (Vorname/Nachname). Wer ist da?“, sie streitet mit ihren Geschwistern und erzählt ihnen im nächsten Moment Witze und und und. Sie hat weiterhin noch einen langen Weg vor sich bis zur perfekten Sprache. Viele Laute (z. B. R, S, Sch) gehen trotz teils langen Übens immer noch nicht und andere vertauscht oder ersetzt sie je nach Lautkombination (z.B. L und J). Gerade wenn sie aufgeregt oder ihr etwas besonders wichtig ist, wird ihre Aussprache undeutlicher und sie wiederholt das erste Wort in einem Satz 10x bis sie endlich den Einstieg in den restlichen Satz findet. Aktuell versuche ich nochmal eine Intensivwoche, sei es beim Reiten in Leutkirch oder in einem speziellen Zentrum in München zu organisieren, um sozusagen die Entwicklung wieder ein bisschen anzuschupsen.

Auch wenn zur Zeit die Sprache nur wenig besser wird, ist es für uns immer noch völlig unfassbar, welche Entwicklung sie nach gerade einmal einem Jahr Logopädie gemacht hat. Schlussendlich ist ihre Dyspraxie wohl eher leicht ausgeprägt. Aber wenn sie nicht so früh festgestellt worden wäre und wir bei einer*m Logopädin*en gelandet wären, die*der sich mit Dyspraxie nicht auskennt, würde sie auch jetzt noch nicht sprechen. Inzwischen mache ich mir keine allzu großen Gedanken mehr, habe ich keine Angst mehr vor der Zukunft. Selbst bis zur Schule hat sie noch einige Jahre und sie ist bereits auf solch einem guten Weg.

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So viel Dankbarkeit und ein Geschenk von Herzen

Ich glaube, ich war noch nie einem Menschen so dankbar wie unserer Amelie, die K3 mit solch einer Herzlichkeit und solch einem Engagement das Sprechen beigebracht hat. Was für ein Geschenk sie unserer Kleinen damit gemacht hat. Diese kann nun problemlos Freundschaften schließen, sagen, wie es ihr geht und was sie braucht. Ein Kind, das nicht sprechen kann, wird von anderen Menschen gern als faul oder weniger intelligent abgestempelt. Als jemand, der nichts zu sagen hat. Es gibt zwar auch Hilfsmittel mit denen man kommunizieren kann, aber nichts ist so „einfach“ und schnell wie die gesprochene Sprache. Viel zu viele Menschen geben sich eben nicht die Mühe, abzuwarten bis ein nonverbaler Mensch auf seine Weise seine Meinung, sein Wissen, seine Gefühle und Bedürfnisse kommuniziert hat. Dabei sind sie genauso witzig, interessant, wichtig, wertvoll etc. wie jeder Mensch, der sprechen kann! Ich habe da in den letzten Jahren viel gelernt und weiß nun sehr genau, dass ich in Zukunft auch Menschen, die nicht sprechen können genauso interessiert und offen gegenübertreten werde wie denen, die sich problemlos äußern können.

Und nichtsdestotrotz bin ich eben froh und dankbar, dass K3 nun ihren Vater mit „Hallo Papaleinchen“ begrüßt, uns begeistert Witze über Pipi und Kacka erzählt (wie eben alle in dem Alter) und ständig irgendwelche Lieder vor sich hinsingt. Sprache und Sprechen erleichtern das Leben enorm.

Unsere große Dankbarkeit für die fantastische Arbeit unsere Logopädin wollte ich dann auch mit einem besonderen Weihnachtsgeschenk würdigen. Nach einem Schnitttausch mit Svenja von Lotte und Ludwig, habe ich mich daran gemacht, ihren Auf und Davon Rucksack zu nähen. Ein richtig cooler Schnitt, der gerade auch im Stoffmix klasse ausschaut. Ich hatte noch einige Oilskinreste in warmen Herbsttönen (genau die Farben, die Amelie meistens trägt) sowie ein paar dazu passende Webbänder, Etiketten und Patches (von halfbird und mehr etikette). Beim Nähen habe ich mir viel Zeit für besondere Details gelassen und auch so manche Stunde mit dem Schrägband gekämpft. Inklusive Zuschnitt habe ich bestimmt 10 Stunden an dem Rucksack gesessen, aber jede einzelne war es mir wert! Amelie hat sie dann glücklicherweise auch wirklich wahnsinnig über den Rucksack gefreut. Sie konnte gar nicht fassen, dass wir ihr so ein Geschenk machen und ich den Rucksack auch noch selbst genäht habe. Sie hat ihn direkt allen anderen Logopäden in der Praxis gezeigt, ist wie bei einer Modenschau den Gang auf und ab gelaufen. Ich kann kaum mehr zählen, wie oft sie sich seitdem dafür bedankt hat. Anscheinend hat sie ihn sogar vielen ihrer älteren Patientinnen (die z. B. wegen Schlaganfall o. ä. bei ihr sind) gezeigt, damit sie sehen, wie toll er genäht ist. Er begleitet sie täglich. So gern ich auch selbst Geschenke bekomme, hat es mich doch selbst auch unfassbar glücklich gemacht, dass ich ihr mit diesem Geschenk unsere Dankbarkeit zeigen, sie überraschen und ihr eine große Freude machen konnte.

Rucksack Auf und Davon (ebook von Lotte und Ludwig) als Geschenk für die Logopädin unserer Tochter | Näh-Connection. Stoff: Oilskin in verschiedenen Farben. Verzierungen: Webband, Patches von mehr etikette und halfbird mona.
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Feedback, weitere Informationen, Hilfen, Tipps und Menschen, die einen verstehen

Falls ihr selbst ein Kind mit VED kennt, freue ich mich, wenn euch unsere Geschichte etwas Hoffnung zurückgeben konnte. Vielleicht habt ihr noch Anmerkungen. Dann schreibt sie doch einfach in den Kommentar. Und falls ihr selbst heute zum ersten Mal etwas über verbale Dyspraxie gelesen habt, freu ich mich natürlich auch, zu hören, wie ihr meinen Text findet und ob ihr etwas lernen konntet.

Für alle, die weitere Fragen haben, die Tipps und Hilfe benötigen, habe ich außerdem noch einen ganz wichtigen Tipp. Kurz nachdem wir die Diagnose erhalten haben, kam ich auf die Idee doch mal bei facebook zu schauen, ob es eine facebook Gruppe zu VED gibt. Und die gibt es. Außerdem auch eine zu Dyspraxien allgemein. Gerade die VED Gruppe hat uns unglaublich geholfen. Von anderen zu hören, die ähnliches erleben, tut einfach gut. Außerdem kennen sich die Leute in der Gruppe unfassbar gut aus. Egal ob man Fragen zum Beantragen eines Pflegegrads oder einer Reha hat, Tipps fürs Üben zu Hause sucht oder nur die neuen Worte des Kindes feiern will, hier wird einem geholfen und man verstanden. Auch von der Intensivtherapie/Reittherapie haben wir durch die Gruppe erfahren. Sollte also jemand diesen Beitrag hier lesen, weil er*sie konkret Fragen nach einer Diagnose hat oder sich einfach mit Leuten in einer ähnlichen Situation austauschen will, kann ich die Gruppe nur wärmstens empfehlen.

Danke an alle, die diesen unendlich langen Beitrag bis hierhin gelesen haben. Vielleicht kommt der Tag an dem ihr deshalb einem Kind und seinen Eltern helfen könnt.

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Kommentare

  • Vielen Dank für diesen persönlichen und ausführlichen Blogpost. Ich habe von der Erkrankung bisher noch nichts gehört. Gut zu wissen.
    Wünsche deiner Tochter und allen deiner Lieben alles Gute.
    Lieber Gruß Muriel

  • Silvia sagt:

    Dein Post bei Instagram hat mich direkt angesprochen, nicht nur wegen dem tollen Rucksack, sondern auch weil unser jüngerer Sohn eine Sprachentwicklungsstörung hatte und wir eine ziemliche Odyssee hinter uns haben, bis ihm geholfen werden konnte. Wir haben sogar die unfreundlichste, inkompetenteste und kinderunfreundlichste Kinderlogopädin erlebt, die es überhaupt gibt. Es kann echt schwer sein und man sollte unbedingt solange kämpfen, bis das Kind in guten Händen ist. Schön dass ihr es gleich so gut getroffen und eure Tochter schon so tolle Fortschritte gemacht hat!

    • Annika Ferk sagt:

      Oh, unfreundliche Logopädin – das hört sich ja übel an. Die meisten Logopäd*innen sind ja wirklich total klasse. Aber paar schwarze Schafe gibt es natürlich immer. Sind wahrscheinlich die einzigen, die einen Termin frei haben…

  • Anja S. sagt:

    Dein Bericht ist klasse, mein Bruder hat vor fast 40 Jahren auch ganz spät das Sprechen gelernt und ich weiß, was meine Mutter damals durchgemacht hat. Alle hatten gute Tipps, aber nichts hat geholfen. Er kam damals in einen speziellen Kindergarten und bei viel Förderung mit wenigen Kindern hat es dann schließlich geklappt. Das war vielleicht keine Dyspraxie, aber ich weiß noch welche Sorgen wir us machten. Jetzt ist sein Sohn bald zwei Jahre alt und auch er hält sich mit dem Sprechen sehr zurück. Ich werde meinem Bruder auf jeden Fall den Link schicken, denn von Dyspraxie haben wir noch nie gehört. Alles Gute für deine Familie!

    • Annika Ferk sagt:

      Mein Mann hatte als Kind auch leichtere Schwierigkeiten beim Sprechen lernen. Bei Weitem nicht so stark wie K3, aber halt doch so, dass dies gemeinsam mit den anderen familiären Hintergründen auf etwas Genetisches hinweist. Auch bei vielen anderen in der VED-facebook-Gruppe sind mehrere Familienmitglieder von zumindest ähnlichen Entwicklungs- oder Teilleistungsstörungen betroffen. Es wäre also durchaus möglich, dass dein Neffe in die Richtung betroffen ist. Es muss zwar deshalb nicht gleich VED sein, aber es schadet ja nicht, das Ganze im Auge zu behalten. Unser Nachbarsmädchen ist gleich alt wie K3 (1 Monat älter) und sprach zum 2. Monat auch so gut wie nichts. Drei Monate später ist bei ihr die Sprache explodiert. Mit knapp 2 ist der Junge ja wirklich noch klein. Beobachtet das einfach weiter und schaut das nächste halbe Jahr mal, ob sich was tut. Falls nicht: Lieber früher zu jemand für eine Diagnostik als später. Falls die*der Logopädin*e (sollte sich mit VED auskennen!) dann sagt, dass alles okay ist, hat man nur ein paar Stunden Zeit investiert. Falls mehr dahinter steckt, ist es auf jedem Fall gut, früh dran zu sein…
      Ich wünsch euch alles Gute!
      Annika

  • Melanie Gundlach sagt:

    Ich war etwas verwundert, einen Fachbeitrag in einem Nähblog zu sehen, bis ich verstanden habe, dass du aus Betroffenenperspektive berichtest. Einen tollen Weg hat deine Tochter da zurückgelegt! Ich arbeite als Ergotherapeutin in einer Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation, in der wir nicht- oder kaumsprechende Menschen jeden Alters in Bezug auf Kommunikationshilfen beraten. Die deutliche Kommunikationsnot, die du beschreibst, ist etwas, was durch alternative Kommunikationsformen, z.B. Gebärden, Kommunikationsbücher oder auch Kommunikationsgeräte recht schnell gelindert werden kann – gerade wenn das Sprachverständnis nicht oder kaum beeinträchtigt ist. Die begleitende Logopädie kann dann häufig viel entspannter arbeiten, weil der Druck den der Betroffene und sein Umfeld spüren, dann nicht mehr so groß ist. Nicht alle Kinder holen so schnell auf wie eure Tochter und wir erleben es leider immer noch zu häufig, dass die Kids uns dann im Alter von 7-12 vorgestellt werden, mittlerweile schon Sonderbeschult und psychisch natürlich absolut gestresst und auffällig. Unterstützte Kommunikation ist ein wichtiges Mittel, das leider bei den Kinderärzten immer noch zu selten bekannt ist. Eine gute Informationsquelle ist die Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation – https://www.gesellschaft-uk.org/
    Deiner Tochter noch ganz viel Spaß mit Ihrer Logopädin und euch alles Gute auf dem weiteren Weg!
    ….und der Rucksack ist klasse 😊

    • Annika Ferk sagt:

      Hallo Melanie,

      herzlichen Dank für deinen sehr hilfreichen Kommentar. Zu unterstützte Kommunikation habe ich in der Tat gar nichts geschrieben, weil unsere Kleine ja dann doch überraschend schnell ins Sprechen kam. Wir hatten kurz überlegt, ein Kommunikationsbuch für den Kinderngarten zu machen, aber da sie anfangs ja bei den Kleineren war, kam sie da auch so dann schnell gut zurecht. Andernfalls wäre UK sicher eine wichtige Hilfe gewesen.

      Ich kann mir gut vorstellen, dass der Leidensdruck und die Frustration bei älteren Kindern wirklich schrecklich sein muss. Selbst unsere Maus, die ja eigentlich inzwischen alles sagen kann, aber halt bei manchen Lauten noch Probleme hat und einfach länger braucht, bis die Sätze rauskommen, leidet noch genug. Wenn man natürlich schon in der Grundschule ist und bis dahin keine Hilfe hatte, muss das echt schrecklich sein!

      Als kleiner Hinweis, falls jemand zu UK weitere Info, Tipps und Erfahrungen sucht: Auch dazu gibt es ganz viele Leute in der Facebookgruppe, die sich auskennen und wertvolle Tipps haben. Wir selbst haben uns da, wie gesagt, nicht wirklich informiert.

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