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Tutorial: So steppst du
Jeans & Co. perfekt ab

Das mit dem Absteppen ist ja so eine Sache. Wie schön und professionell eine Jeans, eine Winterjacke oder auch eine Tasche aussieht, steht und fällt oftmals mit den Ziernähten. Richtig schöne Absteppnähte machen zum Beispiel eine Jeansjacke erst so richtig cool. Wenn diese jedoch krumm und schief sind, geht der Schuss schnell nach hinten los. Passend zur Veröffentlichung der Atenas Jeansjacke möchte ich dir deshalb einige Tipps zum Absteppen geben. Denn das Ganze ist absolut kein Hexenwerk und die zusätzliche Zeit, die du mit dem Absteppen verbringst, zahlt sich bei tollen Nähten später absolut aus.

Wähle dein Werkzeug mit bedacht: Nadel…

Jeans bzw. Denim (genaueres zum Stoff Denim erfährst du übrigens in diesem Blogpsot von Ulrike)  und Co (Twill, Cord, Canvas, …) sind bekanntermaßen richtig schön dick und stabil. Tu dir selbst einen Gefallen und versuche diese nicht mit der Universalnadel (womöglich noch in Stärke 70) zu nähen. Sonst musst du mit unschönen Nähten, Fadennestern, gerissenen Fäden und und und kämpfen. Hol dir stattdessen eine Jeansnadel, je nach Stoffdicke in Stärke 90 oder 100. Diese kannst du dann sowohl für die eigentlichen Konstruktions- als auch für die Absteppnähte verwenden. Theoretisch kannst du zum Absteppen eine spezielle Topstitchnadel verwenden. Ich wechsle normalerweise nicht zwischen den beiden Nadelarten, aber probiere dies gerne aus. Manche schwören auf die spezielle Topstitchnadel.

… und Faden

Zum eigentlichen Nähen von Jeans, Twill, Canvas, Oilskin und anderen dickeren Stoffen brauchst du kein besonderes Nähgarn. Das normale Allzweckgarn ist dafür perfekt. Für schöne Absteppnähte solltest du jedoch auch besonderes Garn verwenden. Jeansnähgarn oder sogenanntes Extra Starkes Garn eignet sich dafür sehr gut. Diese Garne sind dicker und ergeben dadurch schön dicke, deutlich sichtbare Absteppnähte. Alternativ kannst du auch normales Nähgarn nehmen und einfach mit zwei Fäden gleichzeitig arbeiten. Ich finde das nicht ganz so schön, aber möglich ist es. Wichtig ist: Kauf vom Absteppgarn mehr (oder sogar viel mehr) als du denkst. Eine Spule extra starkes Garn enthält viel weniger Garn als der Allesnäher auch wenn es (aufgrund der Fadendicke) nach genauso viel ausschaut. Für meine Jeansjacke habe ich zum Beispiel 2,5 Rollen benötigt. Und noch eines: Kauf nicht nur Absteppgarn in dieser Farbe, sondern auch noch 1-2 Rollen Allesnäher in der gleichen Farbe. Denn: Bei den allermeisten Nähmaschinen hat das dicke Garn nichts in der Unterfadenspule verloren. Absolute High-Endmaschinen machen das vielleicht problemlos mit, aber die allermeisten Maschinen in der unteren und mittleren Preisklasse fangen zu zicken an, wenn du extra starkes Garn als Unterfaden benutzt. Verwende hier stattdessen einfach den Allesnäher. Und ja, gerade an Stellen wie den Manschetten oder der Kragenunterseite bei der Jeansjacke, die später auch mal sichtbar sind (z. B. wenn du den Kragen hochstellst oder die Ärmel hochkrempelst), ist es in der Tat NOCH schöner, wenn du das dicke Garn auch für den Unterfaden verwendet hast. Probiere es doch einfach aus. Wenn es bei dir gut klappt, super! Wenn nicht, mach dir keinen Kopf. Dann liegt es wirklich an der Maschine und nicht an dir. Du kannst noch versuchen, die Fadenspannung etwas zu verändern. Oder du sparst dir den Ärger und verwendest normales Garn als Unterfaden.

Stichlänge

Denk daran, beim Absteppen stets eine längere Stichlänge (3,5 oder sogar 4 mm) zu verwenden. So ist die Naht deutlicher sichtbar und es schaut einfach schöner aus. Und noch etwas: Denk auch jedes Mal wieder daran, eine normale Stichlänge einzustellen, wenn du mit dem Zusammensetzen der Jacke fortfährst. Ich empfehle dir außerdem, einen kleinen Zettel an deine Nähmaschine (oder in der Nähe zu kleben) auf dem du notierst, welche Stichlängen und -breiten du für die Konstruktion und zum Absteppen, zum Heften und für die Riegel verwendest. Du wirst (höchstwahrscheinlich) weder eine Jeanshose noch eine -jacke an einem Abend fertig nähen und glaub mir: Eine Woche später weißt du einfach nicht mehr, was du eingestellt hattest.

Knopflöcher und Riegel

Sowohl bei Jeanshosen als auch bei Jeansjacken musst du außer den normalen Ziernähten auch Knopflöcher und evtl. Riegel nähen. Hier, behaupte ich mal, trennt sich wieder ein bisschen die Spreu vom Weizen. Mit tollen, qualitativ hochwertigen Nähmaschinen kannst du diese genauso wie die Ziernähte mit dem dicken Garn als Oberfaden nähen. Meine kleine Elna steigt da aus. Ich habe schon oft versucht mit dem extra starken oder Jeansnähgarn Knopflöcher oder Riegel zu nähen. Das führte stets dazu, dass ich zigmal aufgetrennt habe, der Stoff am Ende schon langsam dünn wurde und ich immer noch kein schönes Ergebnis hatte. Ich empfehle dir deshalb, sowohl Knopflöcher als auch Riegel erst mal auf einem Reststoff zu testen (und zwar mit gleich vielen Lagen wie bei deiner Hose bzw. Jacke an der entsprechenden Stelle). Wenn das auch mit dickem Garn gut klappt, super! Wenn nicht bist du jetzt wieder froh, dass du Allesnäher in der gleichen Farbe zur Hand hast. Nähe die Knopflöcher und Riegel einfach damit. Da in beiden Fällen mit enger, kurzer Zickzacknaht gearbeitet wird, sind auch diese Nähte schon deutlich abgesteppt. Definitiv besser als ein total verhunztes Knopfloch mit tollem Jeansgarn…

Flach gebügelt steppt es sich leichter

Nicht jede Nähmaschine liebt dicke Stoffe. Da macht es also Sinn, ihr die Arbeit etwas zu erleichtern und die Nähte wirklich schön glatt zu bügeln. Ich bin ja normalerweise ein sewing rebel und überspringe das Bügeln bei der einen oder anderen Naht auch mal ganz gerne. Bei Jeans lohnt sich das Bügeln aber wirklich. Am besten klappt das übrigens mit einem Bügelholz (Z. B. dieses hier von echt knorke – Werbung). Damit kriegst du die Nähte wesentlich flacher als wenn du nur mit dem Bügeleisen arbeitest. Ich erkläre dir das morgen nochmal genauer, wenn ich dir Kappnähte und getrickste Kappnähte genauer zeige. Aber ich wollte das Bügeln hier zumindest erwähnen, denn eine Nähmaschine, die mit dem Stoff zu kämpfen hat, wird definitiv keine schöne Ziernaht nähen. Bügeln muss hier eben leider sein.

Schmeiß den Absteppturbo an

Absteppen dauert. Das lässt sich nicht wirklich ändern. Was sich jedoch ändert lässt, ist zum Beispiel die Nähreihenfolge. Denn nicht nur das Absteppen dauert. Ständig den Oberfaden zu wechseln, die Stichlänge zu ändern und zwischendurch noch zum Bügelbrett zu gehen, stört nicht nur den Nähfluss, sondern summiert sich zeitlich ganz schön. Überleg dir also vielleicht vorher, ob du nicht manche Nähschritte gleich am Stück machen kannst, um dann im Anschluss alles zu bügeln und dann in einem Rutsch abzusteppen.

Ich habe bei meiner Atenas Jeansjacke zum Beispiel zuerst sämtliche senkrechte Nähte an den beiden Vorderteilen und am Rückteil genäht. Direkt danach habe ich auch gleich noch die Brustklappen, die Riegel und den Kragen zusammengesetzt. Dann, wenn nötig, gewendet und alles gebügelt und die Kappnähte vorbereitet. Danach habe ich dann all diese Nähte abgesteppt. Ich musste so nur einmal zum Bügelbrett und auch nur zweimal den Oberfaden (Allesnäher zu extra starkem Garn und wieder zurück) wechseln. Nach normaler Nähreihenfolge hätte ich dagegen allein mehr als 10x den Oberfaden wechseln müssen (oder sogar doppelt so oft, wenn ich nicht gleich alle gegengleichen Teile parallel behandelt hätte).

Bei den späteren Schritten (z. B. Leistentasche), die etwas mehr Konzentration erforderten, habe ich dann gerne jedes Mal hin und her gewechselt. Das ist besser als durcheinander zu kommen. Doch all die Nähte, bei denen man mit etwas Näherfahrung nicht überlegen muss, kann man ruhig in einem Rutsch nähen.

Ein Hoch auf die zweite Nähmaschine!

Du hast noch eine zweite Nähmaschine? Dann sind Jeanshose, -jacke und Co. der perfekte Zeitpunkt, um diese endlich wieder aus dem Schrank zu holen. Wenn du eine Nähmaschine mit Jeansnähgarn bestückst und eine mit normalem Allesnäher, musst du nämlich den Oberfaden nicht wechseln. Stattdessen rutschst du einfach nur mit deinem Stuhl etwas zur Seite und kannst direkt weiternähen. Game Changer! Ich habe das schon öfters so gemacht und es ist wirklich super angenehm. Da flutscht das Nähen so richtig. Als ich Atenas nähte, hatte ich aber meine zweite Nähmaschine gerade verliehen und so konnte ich das nicht nutzen. Trotzdem habe ich noch einen Tipp für dich, was die zwei Nähmaschinen angeht. Eine deiner Nähmaschinen ist wahrscheinlich die alte, weniger gute. Nimm diese für die eigentliche Konstruktion der Hose oder Jacke. Probiere vorher aus, ob sie mit den dicken Stoffen zurechtkommt. Wenn dem so ist, kannst du mit ihr ohne Probleme die Konstruktionsnähte schließen. Deine bessere Nähmaschine wird normalerweise ein schöneres Stichbild haben (mach vorher mit beiden Nähmaschinen einen Vergleichstest). Da das Stichbild bei den Absteppnähten deutlich sichtbar ist, musst du für diese unbedingt die bessere Maschine – bzw. eben die mit dem schöneren Stichbild – nehmen. So holst du das Maximum aus deinen Maschinen raus!

Ich hoffe, meine Tipps sind hilfreich für dich. Ich weiß, das war jetzt ziemlich viel. Solche langen Blogposts können ja immer auch etwas abschreckend wirken. Hab bitte keine Angst! Jeanshosen und -jacken bestehen einfach auch nur aus einer Naht nach der anderen. Ja, du musst etwas Zeit investieren, aber es macht auch wahnsinnig viel Spaß zu sehen, wie aus den ganzen Puzzleteilen Schritt für Schritt ein Kleidungsstück wird. Außerdem wird dich das Ergebnis natürlich 1000fach für deine Zeit und Arbeit entlohnen. Der Stolz und die Freude, die ein solches Projekt bringen, sind unbezahlbar!

 

Atenas Sew Along und Rabattcode für Denim von Juni Design

Und wenn du dich so ganz „allein“ nicht an ein großes „kompliziertes“ Projekt wie eine Jeansjacke traust, hast du kommende Woche ja auch die Möglichkeit gemeinsam mit Ulrike alias Moritzwerk zu nähen. Sie zeigt Stück für Stück mit Hilfe von Videos, wie sie Atenas näht. Du kannst so also nicht nur bei ihr über die Schulter blicken, sondern hast gleichzeitig die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen an diesem Projekt zu arbeiten und, wenn nötig, andere um Tipps und Hilfestellungen zu bitten. Aktuell verbringen wir alle ja VIEL Zeit zu Hause, aber social distancing bedeutet nicht, dass wir mit niemand Kontakt haben dürfen. So ein digitaler sew along verspricht Ablenkung, Konzentration aufs Nähen, etwas Vergessen, was da draußen so los ist und gleichzeitig eben auch Gemeinschaft, füreinander da sein, sich gegenseitig anspornen.
Ich bin schon sehr gespannt auf all die Jacken, die während des Sew Alongs entstehen und freu mich riesig auf ganz viel Inspiration. Achja, bevor ich es vergesse: Selbstverständlich hast du weiterhin die Möglichkeit Atenas zum Einführungspreis zu kaufen! Und nicht nur das: Nina von Juni Design bietet dir außerdem 10% Rabatt mit dem Code „moritzwerk“ auf ihre für Atenas geeigneten Stoffe an. Sie hat so eine schöne Auswahl! Da ist für jede das passende Traumstöffchen für die neue Lieblingsjacke dabei und gleichzeitig kann eine kleine Händlerin unterstützt werden, die wie so viele andere auch jetzt sicher jede Bestellung brauchen kann!

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