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Tutorial:
Kappnaht und getrickste Kappnaht – so geht das!

Ach, Ihr Lieben, ich freu mich so, dass die Atenas Jacke so gut bei euch ankommt. Ganz viele haben auch bereits vor, nächste Woche beim #atenassewalong von Moritzwerk dabei zu sein! Wie cool!
Ich selbst LIEBE meine neue Jacke so sehr und kann es gar nicht abwarten, dass der Frühling so richtig da ist und ich sie ständig (und wenn ich ständig schreibe, meine ich STÄNDIG) anhaben kann. Wir zählen ja zu den glücklichen, die einen Garten haben und so zumindest etwas raus können. Da bekommt die Jacke wenigstens etwas Auslauf…
Ich habe euch ja gestern bereits ein paar Tipps gegeben, wie das Absteppen der Jeansnähte zu einer richtigen Freude wird und auch heute habe ich nochmal ein paar Tipps für euch. Und zwar geht es heute um Kappnähte und getrickste Kappnähte. Ich erkläre euch, was diese eigentlich genau sind und vor allem, wie ihr diese näht. Legen wir los…

Was ist eigentlich eine Kappnaht bzw. getrickste Kappnaht?

Schau mal an dir runter. Die Chancen stehen wahrscheinlich nicht schlecht, dass du gerade eine Jeans anhast. Und wenn nicht, findet sich bestimmt eine oder mehrere in deinem Schrank. Schau dir dort nun die Innenbeinnaht von innen und außen an. Ziemlich sicher ist das eine Kappnaht. Auch die Nähte zwischen den Passen und Beinteilen auf der Rückseite der Hose sind meist Kappnähte. Komisch irgendwie, oder? Wo ist da eigentlich innen, wo ist außen? Alles ist irgendwie gefaltet oder abgesteppt. Hmm. Ich zeig dir später, wie diese Kappnaht entsteht. Aber vorher will ich noch erwähnen, warum man diese verwendet. Jeans bzw. Denim ist ja ein wahnsinnig stabiles Material und ursprünglich waren Jeanshosen und -jacken richtige Arbeitskleidung. Heute ist Denim zwar auch aus dem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken, aber trotzdem ist der Stoff zum Beispiel im Schritt beim Fahrradfahren ziemlichen Belastungen ausgesetzt. Da es eher nicht so toll ist, wenn an dieser Stelle plötzlich die Naht aufgeht, werden Kappnähte verwendet. Bei diesen kann zum einen nichts ausfransen, zum anderen wird die „normale“ Naht aber zusätzlich noch ein oder sogar zweimal abgesteppt. Das sitzt bombensicher! Da lässt heutzutage zuerst der Stoff nach und will geflickt werden, die Nähte aber halten und halten und halten!

Getrickste Kappnähte unterscheiden sich etwas von den normalen, aber das zeige ich euch dann weiter unten.

So nähst du eine Kappnaht

Eine Kappnaht ist wirklich nicht schwer zu nähen, aber sie dauert zugegebenermaßen eine Weile. Gerade bei Jeanshosen und -jacken sorgen die zusätzlichen Ziernähte aber nun mal erst für den perfekten Look. Legen wir los.

Ich zeige die Kapp- und später auch die getricksten Kappnähte direkt an meinem Jeansstoff, den ich für die Jeansjacke verwendet habe. Die dunklere Seite ist außen, die hellere innen

Lege deine beiden Zuschnittsteile rechts auf rechts entlang der Kante, an der du sie verbinden möchtest, aufeinander.

An dieser Stelle möchte ich dich kurz darauf hinweisen, dass du für eine Kappnaht idealerweise eine Nahtzugabe von 1,5 cm (o. ä.) haben solltest. Evtl. reichen auch 1,25 cm, aber bei weniger wird es eigentlich unmöglich, eine Kappnaht zu nähen. (Bei der Atenas Jeansjacke ist natürlich bereits die passende Nahtzugabe enthalten). In meinem Beispiel habe ich eine Nahtzugabe von 1,6 cm (5/8“) verwendet.

Bügeln ist die halbe Miete

Nun wird gebügelt. An dieser Stelle habe ich gleich einen wichtigen Tipp für dich. Verwende zum Bügeln von Jeans unbedingt ein Bügelholz. Ich habe meines freundlicherweise von Bine alias Echt Knorke bekommen (Werbung). Die Handhabung ist super einfach. Du bügelst einfach mit richtig schön viel Dampf und drückst dann fest mit dem Bügelholz auf die Stelle, die du gebügelt hast. Das Holz saugt die Feuchtigkeit ein und sorgt für richtig schön „knackig scharfe“ Nähte. Wenn du übrigens auch gern ein Bügelholz möchtest, kannst du mit dem Rabattcode „bügelspaß“ 10% beim Einkauf eines Holzes bei Bine bis 26.3.20 sparen. Und ja, selbstverständlich ist so ein Holz nicht die unglaublichste Erfindung aller Zeiten. Wenn du Hartholz, eine Säge und eine Schleifmaschine zur Hand hast, kannst du dir das auch selbst machen. Ich hatte das eigentlich übrigens auch vor, aber nachdem ich das dann ein halbes Jahr lang vor mir hergeschoben habe, hab ich lieber Bine um eines ihrer Hölzer und um den Rabattcode für euch angebettelt. Selbermachen ist toll und beim Bügelholz bestimmt auch günstiger, aber manchmal ist es einfach auch toll, ein kleines Unternehmen zu unterstützen (gerade in Zeiten von Corona!!!) und selbst mit dem loslegen zu können, was man wirklich möchte – nämlich eine Jeansjacke nähen.

Anyways, nach diesem kleinen Werbeblock aus Überzeugung, zurück zu unserer Kappnaht. Du kannst nun entweder gleich beide Nahtzugaben zu der Seite bügeln, auf der du später absteppen willst, oder du bügelst die Naht zuerst auseinander. Sie wird so noch ein bisschen glatter.

Als nächstes kürzt du dann auf einer Seite die Nahtzugabe um die Hälfte und bügelst die andere Nahtzugabe darüber.

Falte die breitere Nahtzugabe dann um die schmalere und stecke dies fest.

Drehe dein Nähstück dann um und stecke die Stecknadeln so um, dass sie jetzt auf der Außenseite sind, die gefaltete Nahtzugabe auf der Innenseite aber weiterhin gut fixiert ist.

Steppe dann 6 mm von der Naht entfernt ab (für Tipps zum Absteppen s. den gestrigen Beitrag). Du nähst dabei die gefaltete Nahtzugabe auf der Innenseite fest.

Wenn du möchtest, kannst du danach noch eine zweite Nahtlinie knappkantig entlang der Originalnaht absteppen. So sieht das dann aus.

Und so von innen! Jippie, du hast eine Kappnaht genäht! Schön, oder?

Und wie ist das mit der getricksten Kappnaht?

Die getrickste Kappnaht geht etwas schneller als die normale Kappnaht zu nähen. Außerdem tut sich so manche Nähmaschine schwer damit, „echte“ Kappnähte so richtig schön zu nähen. Die vielen Lagen Jeansstoff haben es in sich. Hier kommt die getrickste Kappnaht ins Spiel.

Los geht es wie bei der echten Kappnaht. Du nähst deine zwei Zuschnittsteile rechts auf rechts entlang der gewünschten Kante zusammen. Für die getrickste Kappnaht benötigst du auch nicht so viel Nahtzugabe wie bei der echten. 1 cm reicht problemlos, ich hab hier trotzdem wie bei der Atenas Jacke mit 1,6 cm gearbeitet.

Bügle dann die Nahtzugaben zuerst auseinander und dann zur Seite. Anders als bei der echten Kappnaht, wird nun keine Nahtzugabe zurückgeschnitten, sondern beide gemeinsam versäubert. Ich habe dafür die Overlock verwendet (mit rotem Kontrastgarn, weil ich das so schön finde), aber du kannst auch einfach mit einem Zickzackstich entlang der Schnittkante nähen oder sogar eine Zickzackschere verwenden.

Drehe dein Nähstück dann um und steppe von rechts zuerst 6 mm (oder 1 cm) von der vorherigen Naht und dann, wenn du möchtest, zusätzlich knappkantig ab.

Von außen schaut die getrickste Naht nun genauso wie die echte Kappnaht aus.

Innen dagegen ist die versäuberte Nahtzugabe nun sichtbar. Je nachdem wie breit deine Nahtzugabe war und wo du abgesteppt hast, siehst du alle drei Nahtlinien deutlich. Es kann aber natürlich auch sein, dass eine auf der Overlocknaht liegt.

Für was entscheidest du dich?

Jetzt hast du die Qual der Wahl. Nimmst du die Kappnaht, die innen und außen nahezu gleich aussieht? Oder doch die etwas schnellere getrickste Kappnaht? Mit dieser Anleitung machen dir hoffentlich beide Nähte absolut keine Probleme mehr. Viel Spaß beim Nähen! Ich freu mich schon jetzt auf Bilder deiner tollen neuen Jacke oder Hose.

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