firlefanz für Näh-Connection | Tipps zum Vernähen von Lycrastoffen

Heute habe ich endlich wieder eine meiner lieben Gastbloggerinnen zu Besuch. Kristina von firlefanz hat es sich passend zu dieser Woche, in der sich alles um Bademode dreht, zur Aufgabe gemacht, dir einige wertvolle Tipps und Tricks zum Vernähen von Lycrastoffen zu geben. Ein absolutes Must Read und Must Pin :) Los geht’s, Kristina!

Hallo zusammen! Ich freue mich, dass ich hier heute zum zweiten Mal einen Gastbloggerbeitrag schreiben darf. Passend zum Sommer und passend zu den tollen Badeanzug-, Bikini- und Badehosen-Ebooks im Näh-Connection Shop möchte ich euch heute ein paar Tricks verraten, mit denen das Vernähen von Badelycra ein Kinderspiel wird.

Im letzten Jahr habe ich zum ersten Mal Badesachen genäht und ich hatte zunächst auch etwas Respekt vor dem Material Lycra. Aber dann stellte sich schnell heraus, dass dies absolut unbegründet war. Badelycra lässt sich wunderbar vernähen und wer gut mit dem Vernähen von Jersey zurecht kommt, dem sollte auch das Vernähen von Badelycra keine Schwierigkeiten bereiten – vor allem nicht, wenn man die ein oder andere Kleinigkeit berücksichtigt.

Was ist eigentlich Badelycra?

Lycra ist genau genommen nichts anderes als eine Markenbezeichnung für hochwertiges Elasthan. Und Elasthan kennen wir ja vom ganz normalen Jersey. Diese künstliche Faser gibt dem Stoff die Längselasthizität. Beim Badeanzugstoff ist nun deutlich mehr Lycra/Elasthan enthalten als bei einem ganz normalen Jersey, nämlich meist um die 20%, die restlichen 80 % sind dann meist Polyester oder Nylon. Es gibt auch 100% Lycra, das ist aber eher selten. Mancher Badeanzugstoff ist übrigens mit integriertem UV-Schutz – achte hier auf die Angaben des Herstellers.

Ich habe schon Badeanzugstoffe verschiedener Hersteller vernäht. Das Mischungsverhältnis von Polyesther und Elasthan war hier jeweils recht ähnlich, die Stoffqualität dennoch ganz unterschiedlich. Während die Stoffe von Astrokatze und Zwergenschön eher dünn und sehr elastisch sind und sich unheimlich weich anfühlen, ist der Stoff von Laura & Ben (Rot-weiße Punkte und weiße Blumen auf Blau) eher etwas fester, nicht ganz so elastisch, wirkt dafür aber sehr robust. Beim Vernähen habe ich keine wirklichen Unterschiede gespürt. Alle Stoffe ließen sich gleich gut vernähen.

Das richtige Zubehör

Damit das Nähen von Badesachen so richtig Spaß macht, ist es wichtig, das passende Zubehör zu haben.

Garn:

Am allerbesten eignet sich Bauschgarn zum Nähen von Badesachen. Das Nähen an sich wird damit zwar nicht unbedingt einfacher, aber die Elasthizität der Nähte ist mit Bauschgarn einfach maximal, da das Garn in sich dehnbar ist. Für langlebige Badekleidung also ein absolutes Muss!

Bauschgarn erhält man bei verschiedenen Anbietern. Ich brauche es auch ganz dringend noch in anderen Farben als nur Schwarz – allen voran in Weiß!

Hast du kein Bauschgarn zur Verfügung, wähle unbedingt Polyestergarn, da dieses sehr reißfest und unempfindlich ist.

Nähmaschine:

Overlock und Cover sind natürlich tolle Helfer bei elastischen Stoffen und lassen sich somit auch wunderbar beim Nähen von Badekleidung einsetzen. Doch auch mit der ganz normalen Haushaltsnähmaschine kann man wunderbar Badelycra vernähen. Wenn du ausschließlich mit der normalen Nähmaschine nähst, ist es auf jeden Fall hilfreich, wenn du den Nähfußdruck reduzieren kannst oder einen Obertransportfuß einsetzen kannst.

Gummiband:

Unerlässlich für jeden Badeanzug ist Gummiband. Jede Kante, ob eingefasst oder gesäumt sollte mit Gummiband verstärkt werden, damit der Badeanzug richtig gut sitzt und nicht ausleiert.

Ideal ist hierfür Framilonband. Es ist sehr elastisch, so dünn, dass es kaum aufträgt und wird beim Annähen nicht automatisch gedehnt. Framilon gibt es in verschiedenen Breiten, meist zwischen 5 und 8 mm. Wähle das passende Band für deine Zwecke aus.

Alternativ nutze ich manchmal transparentes Gummiband von Prym. Dies ist eigentlich für einen ganz anderen Zweck konzipiert (nämlich für Gummizüge bei durchscheinendem Stoff), aber auch bei Badesachen lässt es sich gut einsetzen.

Es ist leider längst nicht so dehnbar wie Framilon, erfüllt aber die gleichen Eigenschaften, dass es kaum aufträgt und auch beim Nähen nicht automatisch gedehnt wird.

Bei normalem Gummiband habe zumindest ich häufig das Problem, dass es von Overlock oder Nähmaschine etwas gedehnt wird und nach dem Annähen länger ist als vorher. Diese Mehrweite muss man dann vorher gut einkalkulieren, was ich nicht immer so einfach finde. Darüberhinaus trägt es etwas mehr auf, als die transparenten Alternativen.

TIPP: Unterschätze nicht die Anzahl der Meter, die du an Gummiband brauchen wirst. 2 m sind da gar nichts … Schließlich will jede Kante mit Gummiband verstärkt werden, da kommt einiges zusammen und nichts ist ärgerlicher, als wenn einem plötzlich mitten im Nähen das Framilonband ausgeht.

Nadeln

Wähle am besten Microtex-Nadeln, alternativ kannst du auch Stretch-Nadeln verwenden.

Stich

Dehnbare Stiche sind selbstverständlich ein absolutes Muss. Es gilt: Je dehnbarer umso besser. Badelycra hat z.T. 75% Dehnbarkeit. Da muss eine Naht schon wirklich dehnbar sein, damit sie diese Dehnung mitmacht. Ideal sind Overlockstich, Zickzackstich oder eine Zwillingsnaht.

Zuschneiden

Das Zuschneiden von Badelycra ist wunderbar einfach. Im Gegensatz zu Jersey rollt sich der Stoff nämlich nicht ein – was für ein Traum!

Aus genau diesem Grund kannst du auch die Kanten von Rüschen unversäubert lassen. Sie bleiben auch nach vielen Tauchgängen und Schwimmbadbesuchen einfach so wie sie sind. Wenn du einen Rollsaum schicker findest, ist dies natürlich trotzdem möglich.

Das Testen

Vor allem, wenn du zum ersten Mal Lycra vernähst, teste unbedingt vorab an ein paar Reststücken des ausgewählten Stoffes die Dehnbarkeit deiner Nähte. Meine Overlocknähte sind z.B. nicht ganz so dehnbar, wenn der Differentialtransport zu hoch eingestellt ist.

Ich ziehe zum Testen (nicht nur wie auf dem Bild mit zwei Fingern) gerne mit beiden Händen mit voller Kraft an dem Teststück. Wenn kein Knachsen zu hören ist, kann ich mir sicher sein, dass die Naht auch im Ernstfall hält.

Auch beim Absteppen mit der Nähmaschine solltest du die perfekte Stichlänge (am besten Zickzackstich oder Zwilllingsnadel) testen. Bei einer zu großen Stichlänge, ist die Naht nicht dehnbar genug, bei einer zu kleinen Stichlänge, wird der Stoff gedehnt.

Zum Schluss kannst du noch das richtige Einnähen des Gummibands testen.

Ganz wichtig: An Kanten, die nur mit dem Gummi verstärkt werden, solltest du das Gummiband auf gar keinen Fall dehnen, sonst kräuselt sich der Stoff unnötig zusammen und im schlimmsten Fall dreht sich der Saum später und liegt nicht schön an (ich spreche hier aus Erfahrung).

Überhaupt muss bei Badekleidung das Gummi meist nur minimal gedehnt werden, da ja auch der Hauptstoff schon eng anliegt.

Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass man Framilonband nicht zu nah an der Stoffkante annähen sollte. Führe das Gummiband lieber mit 2 mm Abstand zum Rand mit, dann liegt es besser auf und rollt sich nicht ein.

Ich habe hier z.B. einmal alle drei verschienden Gummibandtypen getestet.

Oben: Normales Gummiband. Das Gummiband hat sich schon beim Einnähen etwas gedehnt und auch den Stoff mitgedehnt. Die sieht man nach dem Absteppen sehr gut (es wölbt sich nach Außen).

Mitte: Transparentes Gummiband von Prym. Dieses ist so starr und wenig elastisch, dass es den Stoff schnell etwas zusammenzieht, auch wenn man es gar nicht gedehnt annäht. Ideal für Kanten, die leicht zusammengezogen werden sollen, für andere Kanten nicht so optimal.

Unten: Framilonband. Hier ist die Kante einfach ganz gerade geblieben. Der Stoff wurde weder gedehnt noch zusammengezogen. Ideale Grundvoraussetzungen!

Das waren auch schon die wichtigsten Tipps. Nun kann das Nähen losgehen! Und wenn du erst einmal begonnen hast, kann das Nähen von Badesachen so richtig süchtig machen!

Ich hoffe, die Tipps haben dir geholfen. Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Nähen!

Näh-Connection Gastblogger: Kristina von Firlefanz
Kristina hat 2014 das Nähen für sich entdeckt und ist sofort dem Nähfieber verfallen. Von Anfang an hatte sie viel Spaß daran, auch ohne Schnittmuster zu nähen, eigene Ideen umzusetzen und über das Nähen hinaus kreativ zu sein. So kam es, dass sie im Frühjahr 2015 ihren eigenen Nähblog Firlefanz startete und kurze Zeit später ein erstes Schnittmuster veröffentlichte: Den Puppenjumper. Mittlerweile sind nicht nur weitere Puppenschnitte hinzugekommen, sondern auch einige Schnittmuster für Kinder – und die ersten Damenschnitte sind ebenfalls in Arbeit.

Kommentare

  • Tabea sagt:

    Echt ein schöner Post, auch wenn ich mangels Übung noch lange nicht vor habe, Bademode zu nähen. Ich werde den Link aber gut abspeichern, denn ich konnte hier echt viel Neues lernen – das mit dem Gummiband war mir beispielsweise völlig neu.

    Liebe Grüße

  • Näkäschtle sagt:

    Danke für die Tipps, das hilft mir sehr weiter. Liebe Grüße Ingrid

  • Kathrin sagt:

    Darf ich fragen, ob das Framilon-Band chlorresistent ist? Ich nutze es doch anstelle des Badegummis, oder?
    Vielen Dank für den tollen Beitrag. Ich habe gerade meine erste Bademode fertig und möchte mich an weitere Teile wagen. Da hilft er ungemein.
    Liebe Grüße, Kathrin

    • Annika Ferk sagt:

      Liebe Kathrin,
      leider bin ich mir auch nicht sicher, ob das Framilon chlorresistent ist. Ich selbst benutze direkt Badegummi. Den habe ich in großen Mengen von sewy.de gekauft und der reicht mir noch für einige Badesachen. Generell denke ich jedoch, dass auch Framilon und normales Gummiband gehen. Ich glaube, bevor der Gummi sich auflöst, ist der ganze Badeanzug eh so ausgeleiert oder vom vielen Rutschen am Popo durch. Das ist aber nur meine persönliche Meinung…

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Mit meinem Newsletter kann ich Dich über neue Blogposts und Produkte, exklusive Preisnachlässe und andere Aktionen informieren. In jeder Ausgabe des Newsletters findest du ein Liste mit den tollsten Links zu Nähfreebooks, -tutorials, DIYs und Freebies der letzten Woche. Außerdem zeige ich dir, was andere Nähbegeisterte mit Hilfe der Ebooks aus dem Näh-Connection Shop gezaubert haben. Den Newsletter versende ich einmal pro Woche an Deine E-Mail-Adresse. Du kannst den Newsletter jederzeit formlos und ohne Angabe von Gründen abbestellen. Sende dazu eine E-Mail an naehconnection@gmail.com oder klicke den "Unsubscribe" Button im Newsletter.
Mit Eingabe meiner Daten und Betätigung des Buttons “SUBSCRIBE” bestätige ich, dass ich den Newsletter bestellen möchte.
Möchtest du wissen, wie es bei uns hinter den Kulissen ausschaut und neue Schnitte schon vor der Veröffentlichung sehen?
Dann folge uns doch auf instagram.